Nachbarländer erhöhen Preise – Zigaretten werden in der Schweiz vergleichsweise billig

In Deutschland und Frankreich steigen die Zigarettenpreise auf den 1. März 2018. Ein Vergleich mit den Nachbarländern zeigt: Die weitverbreitete Meinung, Zigaretten seien in der Schweiz teuer, ist falsch.

Ab 1. März 2018 kostet in Deutschland ein Päckchen à 22 Zigaretten der meistverkauften Marke 7 € und in Frankreich 8 € (20 Stück). In Schweizerfranken und auf 20 Stück umgerechnet sind dies CHF 7.30 bzw. CHF 9.201. In der Schweiz kostet ein Päckchen derselben Marke aktuell CHF 8.60 (20 Stück).

Kein Einkaufstourismus oder Schmuggel von Tabakwaren

Der Vergleich zeigt, dass ein Päckchen Zigaretten in Frankreich ab 1. März 60 Rappen teurer sein wird als in der Schweiz. Ein sogenannter «Zigaretten-Tourismus» ist bei solchen Preisen nicht möglich. Auch Hamsterkäufe der ein wenig günstigeren Zigaretten in Deutschland lohnen sich kaum. Zudem gilt es zu beachten, dass das schweizerische Niveau der Einkommen und Preise deutlich höher liegt als jenes seiner Nachbarn (fehlende Kaufkraftparität). Ein kaufkraftbereinigter Vergleich dürfte zeigen: Die Raucherinnen und Raucher in Deutschland und in Frankreich bezahlen deutlich mehr für ihre Zigaretten als Raucherinnen und Raucher in der Schweiz.

Immer wieder werden falsche Informationen über den Schmuggel mit Tabakwaren in Umlauf gebracht. Oftmals wird kaum zwischen dem Schmuggel von Einzelpersonen für den Eigenverbrauch (Bagatellfälle) und dem illegalen Handel mit Tabakwaren durch kriminelle Organisationen unterschieden. Ins Gewicht fällt jedoch hauptsächlich der illegale Handel durch die organisierte Kriminalität. Hier spielen Faktoren wie informelle Vertriebswege, Beteiligung der Tabakindustrie und Korruption eine grössere Rolle als die unterschiedlichen Preisniveaus. In Europa sind insbesondere Bosnien-Herzegowina und Albanien vom illegalen Tabakhandel betroffen. In der Schweiz dagegen fehlen die Voraussetzungen für eine solche Entwicklung. Die Furcht vor einer Zunahme des Zigarettenschmuggels bei grösseren Steuererhöhungen ist demnach unbegründet.

Preiserhöhung hat unterschiedlichen Ursachen

Die Gründe für die Anhebung der Preise in Deutschland und in Frankreich sind unterschiedlich. In Frankreich ist die Preiserhöhung von 7.30 € auf 8 € eine Reaktion auf die Anhebung der Tabaksteuer auf den 1. März 2018 um im Schnitt einen Euro pro Zigarettenpäckchen. Es ist dies die zweite Anhebung nach einer um im Schnitt 35 Cent im November 2017. Vier weitere Erhöhungen sollen bis 2020 folgen:

  • 50 Cent im April 2019
  • 50 Cent im November 2019
  • 50 Cent im März 2020
  • 40 Cent im November 2020

Ziel ist ein durchschnittlicher Preis für ein Zigarettenpäckchen von 10 € (CHF 11.50) in Frankreich.

In Deutschland hingegen ist die Preiserhöhung von 6.50 € auf 7 € Teil der Firmenpolitik der Zigarettenhersteller. Die Tabaksteuer wurde in Deutschland letztmalig im Jahr 2015 angehoben.

Zum Vergleich: In der Schweiz erfolgte die letzte Anhebung der Tabaksteuer vor fünf Jahren, im April 2013 um 10 Rappen. Dies war die sechste Anhebung der Tabaksteuer in der Schweiz seit 2003. Damit war gleichzeitig die 2003 vom Parlament dem Bundesrat gewährte Kompetenz zur Anhebung der Tabaksteuer ausgeschöpft. Bedauerlicherweise verzichteten Regierung und Parlament Ende 2016 bzw. Anfang 2017 im Rahmen der Revision des Tabaksteuergesetzes darauf, diese Kompetenz zu erneuern. Die Tabaksteuer ist damit in der Schweiz auf absehbare Zeit de facto eingefroren. Unabhängig davon stieg der Preis für ein Päckchen der meistverkauften Zigarettenmarke in der Schweiz zwischen 2013 bis heute von CHF 8.20 auf CHF 8.60, aufgrund der Preispolitik der Tabakindustrie.

1 1 EUR = CHF 1.1514 (16.2.2018)

 Auskunft

Thomas Beutler

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

031 599 10 20

 

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