In der Öffentlichkeit treten die Tabakkonzerne als scheinbar verantwortungsvolle Unternehmen auf. Doch widersetzen sie sich allen Massnahmen, die den Tabakkonsum wirksam senken. Stattdessen setzen die Tabakkonzerne auf Imagepflege. Dazu eignen sich besonders Spenden an gemeinnützige Institutionen.

Grundlegender Konflikt

Die Rahmenkonvention über die Tabakkontrolle der Weltgesundheitsorganisation enthält ein Bündel von Massnahmen, um den Tabakkonsum wirksam zu senken. Die Tabakkonzerne sind aber bestrebt, möglichst viele Tabakwaren zu verkaufen und einen möglichst hohen Gewinn zu erwirtschaften. Deshalb lehnen die Kozerne alle Präventionsmassnahmen ab, die nachweislich Wirkung zeigen.

Für die Tabakprävention entscheidend sind die tabakbedingten Gesundheitsschäden. Die Gesundheit ist eines der wichtigsten Güter. Bei der Güterabwägung ist der Schutz der Gesundheit grundsätzlich höher zu bewerten als die Wirtschaftsinteressen der Tabakindustrie. Zwischen den Interessen der Gesundheitspolitik und den Interessen der Tabakindustrie besteht folglich ein grundlegender Konflikt.

Tabakkonzerne setzen auf Imagepflege

Das Rauchen verursacht Krankheit und Tod. Diesen Imageschaden versuchen die Tabakkonzerne durch Initiativen in der Corporate Social Responsibility zu beheben. Corporate Social Responsibility ist der freiwillige Beitrag privater Unternehmen an eine nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft. Dabei berücksichtigt ein Unternehmen besonders seine Interessengruppen, die sogenannten Stakeholder. Für die Tabakkonzerne wichtige Interessengruppen sind vor allem

  • Politikerinnen und Behördenvertreter,
  • Medienschaffende,
  • Nichtregierungsorganisationen,
  • Investoren,
  • Unternehmen, die Wert auf Corporate Social Responsibility legen,
  • die eigene Belegschaft.

In der Schweiz besteht der Beitrag, den Tabakkonzerne im Rahmen ihrer Corporate Social Responsibility leisten, hauptsächlich aus Spenden an gemeinnützige Organisationen.

Pro Senectute Schweiz und das Rotkreuzmuseum sagen "nein"

Pro Senectute Schweiz veranstaltete im Mai 2014 in Biel die nationale Fachtagung "Über 80 - Unterschätzt". Vor der Tagung erhielt Pro Senectute Schweiz von Japan Tobacco International ein grosszügiges Angebot für die finanzielle Unterstützung. Doch die Nichtregierungsorganisation entschied sich gegen das Angebot des Tabakkonzerns und fand rasch eine alternative Finanzierung.

Das Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum in Genf öffnete nach längeren Umbauarbeiten im Frühling 2014 wieder seine Tore. Beim Fundraising für den Umbau fragte das Museum auch Japan Tobacco International um einen Beitrag an. Doch nach Protesten internationaler und regionaler Gesundheitsorganisationen änderte das Museum sein Vorgehen und zahlte den Betrag von 150'000 Franken des Tabakkonzerns zurück.

 

August 2016

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