Zigaretten sind legale Produkte. Warum sollte die Tabakindustrie dafür keine Werbung machen dürfen?

 

  • Zigaretten sind anders als alle anderen legal erhältlichen Produkte. Wenn die Konsumentinnen und Konsumenten Zigaretten gemäss den Anweisungen der Hersteller verwenden, stirbt die Hälfte an den Folgen des Konsums. Die tödlichen Auswirkungen des Rauchens rechtfertigen ein Verbot aller Aktivitäten zur Vermarktung von Tabakwaren.
  • Kommerzielle Werbung will neue Kundinnen und Kunden gewinnen. Dies gilt besonders für die Tabakkonzerne. In der Schweiz sterben jedes Jahr ungefähr 9‘500 Menschen an tabakbedingten Krankheiten, viele hören auf zu rauchen. Soll die Tabakindustrie für ihre tödlichen Produkte neue Kundinnen und Kunden anwerben dürfen?

Gehört die Werbung einfach zur freien Marktwirtschaft? Oder gibt es berechtigte Ausnahmen?

  • Werbung bringt Angebot und Nachfrage zusammen. Bei den Tabakwaren aber stellt sich die ethische Frage: Soll für ein Angebot tödlicher Produkte überhaupt eine Nachfrage geschaffen werden?
  • Tabakwaren unterscheiden sich von allen anderen legal erhältlichen Produkten. Ihre tödlichen Auswirkungen erfordern strenge gesetzliche Regeln für die Vermarktung von Tabakwaren.
  • Die Tabakkonzerne investieren viel Geld in Werbung, Promotion und Sponsoring. Aber gerade für Kinder und Jugendliche ist es schwierig, hinter den attraktiven Angeboten der Tabakkonzerne die Gefahr einer Nikotinabhängigkeit zu erkennen.
  • Werbung ist etwas anderes als Information. Werbung bezweckt, in der Zielgruppe den Verkauf von Produkten zu steigern. Die wichtigste Zielgruppe der Tabakkonzerne sind Kinder und Jugendliche. In dieser Zielgruppe, aber auch in den übrigen Zielgruppen den Absatz tödlicher Produkte zu erhöhen, ist ethisch fragwürdig.

Rauchen ist freiwillig. Jede Person kann frei entscheiden, ob sie rauchen will oder nicht.

  • Die Zigarettenwerbung zeigt Bilder von Freiheit, Schönheit und Coolness und stellt das Rauchen als ein Freizeitvergnügen dar. Es braucht einen kritischen Blick, um zu sehen, dass die Tabakkonzerne mit diesen Bildern für die Droge Nikotin werben. Gerade Kinder und Jugendliche haben noch kaum die Möglichkeit, zur Tabakwerbung auf Distanz zu gehen.
  • Nikotin ist eine so starke Droge wie Heroin oder Kokain. Schon ab vier Zigaretten steigt bei Jugendlichen die Wahrscheinlichkeit einer Nikotinabhängigkeit deutlich an. Wer abhängig ist, ist nicht mehr frei, sich für oder gegen das Rauchen zu entscheiden.

Gefährdet ein Werbeverbot für Tabakprodukte die Arbeitsplätze? Schadet ein Verbot der Wirtschaft?

  • Die Produktion von Tabakwaren ist hoch automatisiert und benötigt nur sehr wenige Arbeitsplätze. Zudem geben die Konsumentinnen und Konsumenten bei einem Rückgang des Tabakkonsums das Geld statt für Tabakprodukte für andere Waren und Dienstleistungen aus. Das wirkt sich auf die Zahl der Arbeitsplätze günstig aus. Insgesamt bleibt ein Rückgang des Tabakkonsums also ohne Einfluss auf die Anzahl der Arbeitsplätze.
  • 2014 betrug die Tabakwerbung in der Presse, auf Plakaten, im Kino, im Internet und auf digitalen Werbeflächen bloss 0,3 Prozent der Werbeausgaben in der Schweiz. Die Werbewirtschaft kann folglich ohne weiteres auf die Einnahmen aus der Tabakwerbung verzichten und die frei werdenden Kapazitäten für andere Branchen nutzen.
  • Ein Tabakwerbeverbot senkt längerfristig den Tabakkonsum. In kleinen wie grossen Betrieben wirkt sich ein Rückgang positiv auf die Produktivität aus, unter anderem gehen die Absenzen wegen tabakbedingter Krankheiten zurück.
  • Der Tabakkonsum verursacht in der Schweiz jährlich soziale Kosten von vier Milliarden Franken wegen Produktionsausfällen aufgrund von Krankheit, Arbeitslosigkeit, Invalidität und vorzeitigen Todesfällen. Ein Rückgang des Tabakkonsums aufgrund des Werbeverbots für Tabakwaren vermindert die sozialen Kosten.

Bedroht ein umfassendes Werbeverbot die Existenz von Kulturanlässen wie Musikfestivals oder Kunstveranstaltungen?

  • Prominente Beispiele belegen das Gegenteil. So gehen das Tennisturnier Swiss Indoors seit 2011 und das Musikfestival Baloise Session seit 2013 mit neuen Sponsoren und ohne die früheren Tabaksponsoren erfolgreich über die Bühne.
  • Das Sponsoring von Kultur- und Sportveranstaltungen durch die Tabakkonzerne wirft vor allem ethische Fragen auf. Gerade Musikfestivals werden von zahlreichen Minderjährigen besucht. Sollen Jugendliche an einem Musikanlass zum Konsum der Droge Nikotin verführt werden?
  • In einer Umfrage in der Westschweiz 2013 gaben die meisten befragten Organisatoren an, Ihre Veranstaltung wäre ohne Tabaksponsor nicht gefährdet.

Ein Werbeverbot ist unnötig. Die drei grossen Tabakkonzerne haben auf freiwilliger Basis eine Vereinbarung über die Marketing- und Werberichtlinien getroffen.

  • Die Marketingregeln, die sich die Tabakkonzerne selbst auferlegen, sind unrealistisch. Die Tabakkonzerne behaupten, die Vermarktung von Tabakprodukten richte sich ausschliesslich an erwachsene Rauchende und nicht an Minderjährige. Aber wie sollen die Tabakinserate in "20 Minuten" für 18-Jährige, aber nicht für 17-Jährige attraktiv sein?
  • Nur eine gesetzliche Vorschrift garantiert einen wirksamen Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung.

Werbeverbote verfehlen ihr Ziel. Sie sind bloss Scheinlösungen, ohne die grundlegenden Ursachen zu bekämpfen.

  • Viele Raucherinnen und Raucher haben vor dem 18. Geburtstag zu rauchen begonnen. Deshalb ist ein Werbeverbot für Tabakprodukte eine zentrale Massnahme, damit Jugendliche rauchfrei bleiben.
  • Zudem wirkt ein Werbeverbot für Tabakprodukte gegen die Verharmlosung des Rauchens durch die Tabakindustrie und verstärkt den Trend zum Nichtrauchen.

Warum nicht gleich den Verkauf von Tabakwaren verbieten statt nur die Werbung?

  • Tabakprodukte können stark abhängig machen. Bei einem Verkaufsverbot würden starke Raucherinnen und Raucher die Tabakwaren auf dem Schwarzmarkt kaufen. Dies sind rund 430'000 Personen in der Schweiz.
  • Hingegen führen strenge gesetzliche Regeln für Produktion, Handel und Verkauf von Tabakwaren zu einem schrittweisen Rückgang des Tabakkonsums. Eine zentrale Massnahme ist dabei das Verbot der Tabakwerbung.

Ein Werbeverbot hilft nichts. Wer fängt schon wegen eines Zeitungsinserats zu rauchen an?

  • Wenige Werbekontakte reichen aus, damit Jugendliche gegenüber dem Rauchen eine wohlwollende Haltung einnehmen und in ihre Absicht bestärkt werden, später zu rauchen. Auch wenn Jugendliche zum Beispiel ein Inserat für Zigaretten in "20 Minuten" nicht bewusst wahrnehmen, hat die Werbung trotzdem diese Wirkung.
  • Tabakwerbung schafft eine tabakfreundliche Stimmung. Markenaschenbecher in Gastwirtschaften, Werbevideos an Verkaufsstellen, Tabakwerbung neben den Süssigkeiten und auf Augenhöhe der Kinder im Kiosk: solche Werbeaktivitäten verharmlosen die tödlichen Folgen des Tabakkonsums.

Tabakwerbung, die sich speziell an Personen unter 18 Jahren richtet, ist bereits heute untersagt. Genügt das denn nicht?

  • Grundsätzlich ist jede Werbung für ein Produkt, das für die Hälfte der regelmässigen Konsumentinnen und Konsumenten den vorzeitigen Tod zur Folge hat, ethisch fragwürdig.
  • Die Tabakkonzerne verschieben ihre Ausgaben für das Marketing weg von der herkömmlichen Werbung in neue Bereiche, etwa in Rabatte zur Verkaufsförderung. Jugendliche sind ausgesprochen preisbewusst und finden Aktionen von drei Zigarettenpackungen zum Preis von zwei attraktiv. Deshalb kann nur ein umfassendes Verbot von Werbung, Promotion und Sponsoring den Tabakkonsum senken.
  • Jugendliche leben nicht in einer abgeschlossenen Welt. Tabakwerbung, die sich laut Tabakindustrie nur an junge Erwachsene richtet, wirkt auf Minderjährige genauso attraktiv.

Weshalb soll die Tabakwerbung verboten werden, wenn mündige Bürgerinnen und Bürger mit Hilfe von Werbung frei entschieden können, ob sie rauchen wollen oder nicht?

  • Auf Konsumentinnen und Konsumenten von Tabak hat die Tabakwerbung wenig Einfluss. Denn Raucherinnen und Raucher wechseln selten zu einer anderen Marke.
  • Tabakwerbung zielt auf das Akquirieren von neuen Kundinnen und Kunden ab. Weil viele Raucherinnen und Raucher vor dem 18. Geburtstag anfangen zu rauchen, geht die Tabakwerbung hauptsächlich bei Jugendlichen auf Kundenfang.
  • Schon nach wenigen Zigaretten können Zigaretten nikotinsüchtig machen. Dann ist es vorbei mit dem freien Entscheid für oder gegen die Zigarette.

 

 

August 2016

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