Was sind E-Zigaretten?

Elektronische oder elektrische Zigaretten (abgekürzt E-Zigaretten) sind Geräte zur Abgabe von Nikotin. Der Handel bietet auch E-Zigaretten ohne Nikotin an. Die Geräte bestehen aus mehreren Bestandteilen:

  • aufladbare Batterie,
  • elektronischer Verdampfer,
  • austauschbare Patrone oder Nachfüllpatrone und Mundstück.

Die Patrone beinhaltet in der Regel eine Flüssigkeit (Liquid) aus Nikotin, Aromastoffen, Wasser und einem Lösungsmittel (Propylenglycol Lebensmittelzusatzstoff E 1520 und/oder Glyzerin Lebensmittelzusatzstoff E 422). Häufig werden die Aromen Tabak, Pfefferminze, Fruchtgeschmack, Kaffee, Vanille oder Schokolade verwendet.

Der Verdampfer wird mit Strom aus der Batterie betrieben. Beim Inhalieren wird das Gerät aktiviert. Im Verdampfer wird Flüssigkeit aus der Patrone erhitzt. Beim Einatmen des Dampfes (Aerosol) gelangen Nikotin und Aromastoffe in die Lunge. Entsprechend den verschiedenen Rauchgewohnheiten gibt es Patronen mit höherem oder tieferem Nikotingehalt.

Konsum

Die Produktion von E-Zigaretten begann 2005 in China. Kurz danach kamen sie auch in Europa in den Handel. In der Schweiz ist der Konsum im Vergleich etwa zum Vereinigten Königreich1 heute marginal: 2016 gaben 0.4 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren an, täglich und 0.7 Prozent mindestens einmal wöchentlich E-Zigaretten zu konsumieren. Die tägliche Nutzung von E-Zigaretten liegt mit 1.4 Prozent bei den täglich Rauchenden am Höchsten. In der Westschweiz ist der Konsum verbreiteter ist als in der deutschen Schweiz. 2.4 Prozent geben an, in den letzten 30 Tagen vor der Befragung E-Zigaretten konsumiert zu haben. In der deutschen Schweiz sind es 1.3 Prozent. Der tägliche Konsum ist in den Altersgruppen der 35- bis 44-Jährigen (0.9%) und der 25- bis 34-Jährigen (0.6%) am meisten verbreitet.

Gesetzliche Regelung

Bis zum 24.4.18 war das Inverkehrbringen von E-Zigaretten mit Nikotin verboten. Grund dafür war die Rechtslage.2 Nikotinhaltige E-Liquids durften gemäss einer Allgemeinverfügung des Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zum Eigenbedarf für einen Zeitraum von 60 Tagen in einer Menge von 150 Nachfüllpatronen oder 150 Millilitern Nachfüllflüssigkeit eingeführt werden. Diese Allgemeinverfügung wurde vom Bundesverwaltungsgericht nach einer Klage wegen Fehlerhaftigkeit aufgehoben. Für nikotinhaltige Liquids gelten nun die Bestimmungen des Bundesgesetzes über die technischen Handelshemmnisse THG («Cassis-de-Dijon–Prinzip»3). Damit müssen die in der Schweiz verkauften nikotinhaltigen E-Liquids den EU-Bestimmungen zu Inhalt, Verpackung und Beschriftung entsprechen. Diese sind in der Richtlinie für Tabakerzeugnisse (2014/40/EU) geregelt, die 2016 in Kraft trat.

Gesundheitsgefährdung

Nach bisherigem Wissenstand ist das Schadenspotential von E-Zigaretten deutlich geringer als jenes von herkömmlichen Zigaretten, wobei zu langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit, angesichts der relativ kurzen Zeit, seitdem diese Produkte konsumiert werden, noch keine Studien vorliegen. Anderseits muss die Frage der Gesundheitsgefährdung von E-Zigaretten auch auf dem Hintergrund des grossen gesundheitlichen Schadens, den der Konsum von Tabakzigaretten anrichtet, beurteilt werden. Die Frage der Gesundheitsgefährdung lässt sich daher nicht gleich beantworten für Rauchende wie für Nichtrauchende.

Der Wechsel von Tabakzigaretten zu E-Zigaretten ermöglicht Rauchenden, die Exposition gegenüber den Schadstoffen zu vermeiden, die bei der Verbrennung von Tabak entstehen. Bei Raucherinnen und Rauchern, die es nicht schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören oder die das nicht wollen, können die E-Zigaretten eine weniger schädliche Alternative darstellen als herkömmliche Zigaretten, vorausgesetzt aber, sie steigen vollständig auf diese Produkte um.

Bei Nichtrauchenden kann der Konsum von E-Zigaretten zu einer Nikotinabhängigkeit führen. Auch die Inhalation weiterer Inhaltsstoffe des Liquids ist ein mögliches Gesundheitsrisiko. So ist über die Langzeitfolgen einer chronischen Exposition gegenüber Propylenglycol wenig bekannt. Die Aufnahme von Nikotin durch Inhalation erhöht unter anderem den Blutdruck und den Herzschlag und bewirkt eine stärkere Belastung von Herz und Kreislauf. Die Nikotin-Ersatztherapie ist nicht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten verbunden, wobei die Effekte hauptsächlich in Bezug auf eine kurze Dauer der Einnahme untersucht wurden und die Resultate nicht zwingend auf den E-Zigarettenkonsum übertragbar sind. Zu langfristigen Folgen auf das Herz-Kreislauf-System mangelt es an aussagekräftigen Forschungsdaten.

Es sind folglich alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen, damit E-Zigaretten nicht von Nichtrauchenden konsumiert werden. Es gilt insbesondere Kinder und Jugendliche zu schützen. Nebst dem gesundheitlichen Gefahrenpotential, das E-Zigaretten für Nichtrauchende aufweist, besteht die Gefahr, dass E-Zigaretten für Kinder und Jugendliche eine Eingangspforte in den Konsum herkömmlicher Zigaretten darstellen können.

Tabakentwöhnung

Nikotinhaltige Medikamente haben sich zur Rauchentwöhnung als wirksam erwiesen. Um die gleiche Aussage für E-Zigaretten machen zu können, fehlt zurzeit eine solide Datenbasis. E-Zigaretten sind hinsichtlich ihrer Wirkung auf den Rauchstopp noch nicht genügend erforscht.

Trotzdem sollte Personen, die mit E-Zigaretten mit dem Rauchen aufhören wollen, nicht davon abgeraten werden. Gesundheitsfachleute sollten die entsprechende Unterstützung bieten, wobei die Patientinnen und Patienten immer über die erprobte Pharmakotherapie informiert und ihnen diese auch als erste Wahl empfohlen werden soll.

Konsum in Innenräumen

Eine Gefährdung anderer Personen durch den Konsum von E-Zigaretten ist nach aktuellem Wissensstand nicht auszuschliessen. Bisher fehlen zuverlässige Daten, in welchen Mengen Inhaltsstoffe nach dem Inhalieren wieder ausgeatmet werden und die Raumluft belasten.

Deshalb sind E-Zigaretten in geschlossenen Räumen gleich zu behandeln wie Tabakzigaretten. Der Konsum von E-Zigaretten ist in öffentlich zugänglichen Räumen wie das Tabakrauchen zu untersagen. Zum Schutz Dritter soll auf den Konsum von E-Zigaretten im privaten Haushalt in Innenräumen verzichtet werden. Es sprechen auch weitere Gründe dafür, den Konsum von E-Zigaretten in geschlossenen öffentlich zugänglichen Räumen gleich zu behandeln wie Tabakzigaretten, z.B. der Vorteil einer einheitlichen Handhabung.

Regulierung von E-Zigaretten

Die Förderung der Nikotinabhängigkeit kann nicht im Interesse der öffentlichen Gesundheit und der Gesellschaft im Allgemeinen sein. Es gilt deshalb Vorkehrungen zu treffen, um der Ausbreitung des Konsums von E-Zigaretten bei Nicht- und Ex-Raucherinnen und –Rauchern, insbesondere Kindern und Jugendlichen vorzubeugen und die Nikotinfreiheit auch bei Raucherinnen und Rauchern, die auf E-Zigaretten umgestiegen sind, weiterhin zu fördern. Daher ist für E-Zigaretten ebenso ein umfassendes Verbot der Werbung, Promotion und des Sponsorings vorzusehen. Ebenso ist die nikotinhaltige Flüssigkeit, die zum Konsum von E-Zigaretten verwendet wird zu besteuern, damit der Konsum auch über den Preis gesteuert werden kann. Der Verkauf an Minderjährige ist zu untersagen.

Regelung der E-Zigaretten in der EU

Die im Mai 2014 in Kraft gesetzte EU-Richtlinie über Herstellung, Aufmachung und Verkauf von Tabakerzeugnissen legt in Artikel 20 die Rechtsvorschriften für E-Zigaretten und Nachfüllbehälter fest:

  • Der Nikotingehalt darf maximal 20 mg Nikotin pro ml Flüssigkeit betragen.
  • Die E-Zigaretten haben strenge Sicherheits- und Qualitätsanforderungen zu erfüllen.
  • Die Packungen müssen mit Warnhinweisen und vollständigen Inhaltsangaben versehen sein. Werbewirksame Bezeichnungen sind unzulässig.
  • Ferner sind die Hersteller verpflichtet, den Behörden der Mitgliedstaaten jährlich Bericht zu erstatten über Verkaufszahlen, die Gruppenzusammensetzung der Konsumentinnen und Konsumenten und deren Vorlieben und Trends.

Werden E-Zigaretten als Hilfsmittel für den Rauchstopp angepriesen, sind sie den Arzneimitteln zuzurechnen und müssen den Bedingungen für Arzneimittel gemäss der Richtlinie über Humanarzneimittel von 2001 (Richtlinie 2001/83/EG) gerecht werden und ein positives Risiko-Nutzen-Verhältnis aufweisen.

Haltung der WHO

An der 6. Konferenz der Vertragsparteien der WHO-Rahmenkonvention über die Tabakkontrolle Mitte Oktober 2014 in Moskau waren auch elektronische Zigaretten ein Traktandum (englisch Electronic nicotine delivery systems ENDS beziehungsweise Electronic non-nicotine delivery systems ENNDS). Dazu veröffentlichte die WHO einen Bericht und empfahl vor allem folgende Massnahmen:

  • Gesundheit: Hersteller und Handel dürfen Aussagen zu Tabakentwöhnung und gesundheitlicher Verträglichkeit nur machen aufgrund wissenschaftlicher Studien und einer diesbezüglichen Zulassung durch die Behörden. Die bisherigen Studien erlauben keine allgemeine Empfehlung von E-Zigaretten zum Rauchstopp.
  • Schutz: Der Konsum von E-Zigaretten in geschlossenen öffentlichen Räumen ist zu untersagen entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz vor Passivrauchen gemäss Artikel 8 der WHO-Rahmenkonvention.
  • Werbung: Der Gesetzgeber soll wirksame Einschränkungen erlassen zu Werbung, Promotion und Sponsoring von E-Zigaretten.
  • Interessenkonflikt: Artikel 5.3 der WHO-Rahmenkonvention gilt auch für E-Zigaretten. Bei den gesundheitspolitischen Massnahmen sind die Anliegen von Public Health zu schützen vor dem wachsenden Interesse der Tabakindustrie am Markt der E-Zigaretten.

Aufgrund dieses WHO-Berichts beschlossen die Vertragsparteien, dass die einzelnen Parteien in erster Linie Werbung, Promotion, Sponsoring verbieten oder einschränken sowie die E-Zigaretten mit dem Ziel eines hohen Schutzes der menschlichen Gesundheit gesetzlich regeln sollen.

 

 

Fussnoten

1 Gemäss dem Lifestyle Survey 2016 des Office for National Statistics konsumieren im UK 3 Prozent der Bevölkerung über 16 Jahre täglich E-Zigaretten.

2 E-Zigaretten waren als Gebrauchsgegenstände (Lebensmittel- und Gebrauchsgegenständeverordnung, SR 817.02). eingestuft. Gemäss Art. 61 LGV: 2 ist der Zusatz von Substanzen, die den Erzeugnissen pharmakologische Wirkungen verleihen, wie Nikotin oder Desinfektionsmittel, verboten.

3 Diesem Prinzip gemäss können Produkte, die den technischen Vorschriften der EU oder eines Mitgliedstaates der EU oder des EWR entsprechen und dort rechtmässig in Verkehr sind, grundsätzlich auch in der Schweiz ohne vorgängige Kontrollen frei zirkulieren.

Quellen

Revue Médicale Suisse, No 566, juin 2017 ; Vaporette (ou cigarette électronique): quelles recommandations pour le fumeur, Jacot Sadowski I. et al.

Revue Médicale Suisse, No 566, juin 2017 ; Tabagisme, vapotage et risque cardiovasculaire: mise au point. Dalkou S., Clair C.

E-cigarettes : Balancing Risks and Opportunies, British Medical Association 2017

Consensus Statement on E-Cigarettes, NHS, Health Scotland

E-cigarettes: a Developing Public Health Consensus, Joint statement on e-cigarettes by Public Health England and other UK public health organisations

“Harm Reducation” Verringerung von tabakrauchbedingten Gesundheitsschäden durch E-Zigaretten? Stellungnahme der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (4.9.2016)

Position der Eidg. Kommission für Tabakprävention (Aktualisierung vom September 2016)

EU-Direktive über Herstellung, Aufmachung und Verkauf von Tabakerzeugnissen (Richtlinie 2014/40/EU)

WHO Framework Convention on Tobacco Control, Electronic nicotine delivery systems. Report by WHO, FCTC/COP/6/10 21 July 2014

 

Stand: Juni 2018

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