Was sind E-Zigaretten?

Elektronische oder elektrische Zigaretten (abgekürzt E-Zigaretten) sind Geräte zur Abgabe von Nikotin. Der Handel bietet auch E-Zigaretten ohne Nikotin an. Die Geräte bestehen aus mehreren Bestandteilen:

  • aufladbare Batterie,
  • elektronischer Verdampfer,
  • austauschbare Patrone oder Nachfüllpatrone und Mundstück.

Die Patrone beinhaltet in der Regel eine Flüssigkeit (Liquid) aus Nikotin, Aromastoffen, Wasser und einem Lösungsmittel (Propylenglycol Lebensmittelzusatzstoff E 1520 und/oder Glyzerin Lebensmittelzusatzstoff E 422). Häufig werden die Aromen Tabak, Pfefferminze, Fruchtgeschmack, Kaffee, Vanille oder Schokolade verwendet.

Der Verdampfer wird mit Strom aus der Batterie betrieben. Beim Inhalieren wird das Gerät aktiviert. Im Verdampfer wird Flüssigkeit aus der Patrone erhitzt. Beim Einatmen des Dampfes (Aerosol) gelangen Nikotin und Aromastoffe in die Lunge. Entsprechend den verschiedenen Rauchgewohnheiten gibt es Patronen mit höherem oder tieferem Nikotingehalt.

Die Produktion von E-Zigaretten begann 2005 in China. Bis 2014 ist dieser Markt global auf 3 Milliarden US-Dollar angewachsen und umfasst über 450 Marken.

Wissensstand: Gesundheitsgefährdung?

Wissenschaftliche Nachweise zur Sicherheit von E-Zigaretten fehlen noch weitgehend. Vor allem über die langfristigen Auswirkungen auf die Gesundheitsrisiken von Konsumentinnen und Konsumenten lässt sich kaum etwas aussagen.

E-Zigaretten weichen bezüglich Produktsicherheit und Nikotingehalt stark voneinander ab. Viele Hersteller verzichten auf eine Deklaration aller Inhaltsstoffe. Besonders beim Kauf über das Internet ist die Produktsicherheit oft ungenügend. Zwar ist die Qualität neuerer Produkte besser geworden. Für Konsumierende ist es aber manchmal unmöglich herauszufinden, was in den gekauften Produkten tatsächlich drin ist.

Die Gesundheitsgefährdung ist für Tabakraucherinnen und -raucher, Nichtrauchende sowie dem Passivrauchen ausgesetzte Personen unterschiedlich zu beurteilen:

Raucherinnen und Raucher

Der Wechsel von Tabakzigaretten zu E-Zigaretten ermöglicht Rauchenden, die Exposition gegenüber den Schadstoffen zu vermeiden, die bei der Verbrennung von Tabak entstehen. Deshalb halten Rauchende diese Produkte zu Recht für weniger schädlich als Tabakzigaretten.

Nichtrauchende

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung verwies in seiner Stellungnahme von 2013 auf mögliche Risiken von E-Zigaretten:

  • Die Aufnahme von Nikotin durch Inhalation erhöht unter anderem den Blutdruck und den Herzschlag und bewirkt eine stärkere Belastung von Herz und Kreislauf. Sowohl zu kurz- als auch langfristigen Folgen auf das Herz-Kreislauf-System mangelt es an aussagekräftigen Forschungsarbeiten.
  • Bei Nichtrauchenden kann der Konsum von E-Zigaretten zu einer Nikotinabhängigkeit führen.
  • Auch die Inhalation weiterer Inhaltsstoffe des Liquids ist ein mögliches Gesundheitsrisiko. So ist über die Langzeitfolgen einer chronischen Exposition gegenüber Propylenglycol wenig bekannt.

Passivrauchen

Eine Gefährdung anderer Personen durch den Konsum von E-Zigaretten ist nach aktuellem Wissensstand nicht auszuschliessen. Denn bisher fehlen zuverlässige Daten, in welchen Mengen Inhaltsstoffe nach dem Inhalieren wieder ausgeatmet werden und die Raumluft belasten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt daher, in geschlossenen öffentlichen Räumen E-Zigaretten gleich wie Tabakzigaretten zu behandeln und den Konsum von E-Zigaretten wie das Tabakrauchen zu untersagen.

Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum vertritt die Ansicht, dass die Massnahmen zum Schutz vor Passivrauchen (wie von der internationalen Rahmenkonvention der Weltgesundheitsorganisation über die Tabakkontrolle gefordert) auf E-Zigaretten anzuwenden sind. Ebenso befürwortet die Eidgenössische Kommission für Tabakprävention in ihrer Stellungnahme von Mai 2014, im Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen und den ergänzenden kantonalen Gesetzgebungen die E-Zigaretten gleich zu regeln wie die Tabakzigaretten.

Wissensstand: Eignen sich E-Zigaretten für die Tabakentwöhnung?

Nikotinhaltige Medikamente haben sich zur Rauchentwöhnung als wirksam erwiesen. Für eine Empfehlung der E-Zigarette als wirksames Mittel zum dauerhaften Aufhören mit Rauchen fehlen bisher wissenschaftliche Studien.

Trotzdem könnte auch die E-Zigarette zur Rauchentwöhnung in Frage kommen. Bei den heute zugelassenen nikotinhaltigen Medikamenten erfolgt die Aufnahme von Nikotin durch die Mundschleimhaut oder die Haut. Bei der E-Zigarette hingegen gelangt das Nikotin über die Lunge in den Körper. Sie ermöglicht eine schnellere Zufuhr von Nikotin und wäre deshalb womöglich wirksamer als nikotinhaltige Medikamente. Zudem verschafft die E-Zigarette, ähnlich wie die Zigarette, im Hals den sogenannten «Throat-Hit» (das starke Gefühl, wenn der Tabakrauch oder der Dampf in Kehle und Lunge eindringt).

Voraussetzung für einen Einsatz der E-Zigarette in der Rauchentwöhnung ist aber, dass Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit der E-Zigarette gewährleistet sind.

Wie sind E-Zigaretten in der Schweiz geregelt?

Die bisherigen gesetzlichen Bestimmungen für E-Zigaretten sollen in der Schweiz geändert werden. Der Bundesrat schlägt in seinem Entwurf zum neuen Tabakproduktegesetz diesbezüglich Folgendes vor: Produkte ohne Tabak, die wie Tabakprodukte verwendet werden und die zum Inhalieren bestimmte nikotinhaltige Substanzen freisetzen, sind den Tabakprodukten gleichzustellen. Neu dürfen also auch E-Zigaretten mit Nikotin in den Handel gebracht werden. Sie dürfen keine gesundheitsgefährdenden Stoffe enthalten und nicht an Personen unter 18 Jahren abgegeben werden. Zudem soll der Konsum von E-Zigaretten mit und ohne Nikotin in geschlossenen öffentlichen Räumen nicht mehr erlaubt sein. Mit diesem Vorschlag orientiert sich der Bundesrat an der neuen EU-Richtlinie über Tabakerzeugnisse (siehe unten). Ausserdem soll der Bundesrat auch nikotinfreie E-Zigaretten einzelnen Bestimmungen des Gesetzes unterstellen können, soweit dies zum Schutz der Gesundheit erforderlich ist.

Über den gegenwärtigen Stand der Regulierung von E-Zigaretten informierte das Bundesamt für Gesundheit im September 2010:

  • E-Zigaretten mit Nikotin unterstehen dem Lebensmittelgesetz und dürfen in der Schweiz nicht in den Handel gebracht werden.
  • Auch E-Zigaretten ohne Nikotin fallen unter das Lebensmittelgesetz. Wer solche Produkte in den Handel bringen will, muss sicherstellen, dass die Produkte für die Gesundheit unbedenklich sind.
  • E-Zigaretten mit Nikotin, die zur Rauchentwöhnung angepriesen werden, gelten als Arzneimittel und unterstehen dem Heilmittelgesetz. Arzneimittel müssen von der Schweizerischen Arzneimittelbehörde swissmedic zugelassen werden.
  • Zum Eigengebrauch fallen E-Zigaretten mit oder ohne Nikotin nicht unter das Lebensmittelgesetz. Als zulässig für den Eigengebrauch gilt gemäss Bundesamt für Gesundheit für einen Zeitraum von 60 Tagen die Einfuhr von 150 Nachfüllpatronen oder 150 Millilitern Nachfüllflüssigkeit mit Nikotin. Die Einfuhr von Nachfüllpatronen oder Nachfüllflüssigkeit ohne Nikotin ist unbeschränkt möglich.

Frei von Tabakwerbung

Diese Lockerung gegenüber der heutigen Situation darf nicht dazu führen, dass für Kinder und Jugendliche der Konsum von E-Zigaretten zu einem Einfallstor in die Nikotinabhängigkeit wird und nach und nach zum Konsum herkömmlicher Zigaretten führt. Aus Sicht der Tabakprävention müssen folglich sowohl E-Zigaretten mit Nikotin als auch E-Zigaretten ohne Nikotin wie die anderen Tabakprodukte strengen Bestimmungen unterliegen.

Im Entwurf zum Tabakproduktegesetz werden die E-Zigaretten ausdrücklich den Tabakwaren gleichgestellt. Das heisst, das Werbeverbot in Radio und Fernsehen von 1964 wird ebenfalls die E-Zigaretten betreffen. Doch die weiteren im Entwurf vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen hinsichtlich der Vermarktung gehen zuwenig weit. Das neue Gesetz soll für alle Tabakprodukte ein umfassendes Werbe-, Promotions- und Sponsoringverbot einführen. Notwendig sind unter anderem ein Verbot der Werbung am Verkaufsort und ein Verbot der Verkaufsförderung durch Rabatte. Das Sponsoringverbot soll für alle Veranstaltungen gelten und nicht nur, wie der Bundesrat möchte, für jene mit internationalem Charakter.

Product-Placement

Bereits sind in US-Filmen scheinbar beiläufig E-Zigaretten zu sehen. Mit solchem Product-Placement ist schon in Schweizer Kinos Werbung für E-Zigaretten gemacht worden, etwa im US-Film "Cymbeline". In den USA haben sich die fünf grössten Tabakkonzerne 1998 im Master Settlement Agreement unter anderem verpflichtet, auf Product-Placement in Filmen und anderen Medien zu verzichten. Aber diese Vereinbarung erstreckt sich nicht auf E-Zigaretten. Unterdessen haben die Tabakkonzerne kleinere E-Zigaretten-Firmen aufgekauft und werden ihre E-Zigaretten-Marken auch über Product-Placement in Filmen bewerben.

Die 10- bis 20-Jährigen schauen mehr Filme an als jede andere Altersklasse. Untersuchungen zu Tabakszenen in Filmen belegen: Je mehr Tabakszenen Jugendliche in Filmen sehen, desto eher probieren sie Zigaretten aus. Bei Filmszenen mit E-Zigaretten in der Hand von Filmstars wird die Wirkung auf Jugendliche wahrscheinlich ähnlich sein.

Interessenskonflikt

Immer stärker drängen die Tabakkonzerne in den E-Zigaretten-Markt vor. Dabei stellen die Konzerne die E-Zigaretten als Mittel zur Schadensreduktion hin und benützen das Argument der Schadensreduktion, um Verbindungen aufzubauen zu Gesundheitsorganisationen und Gesundheitspolitikerinnen und -politikern. Dieses Vorgehen verwischt den grundlegenden Konflikt zwischen den Zielen der Gesundheitspolitik und den kommerziellen Interessen der Tabakkonzerne.

Wie sind E-Zigaretten in der EU geregelt?

Am 19. Mai 2014 trat in der EU die neue Richtlinie über Herstellung, Aufmachung und Verkauf von Tabakerzeugnissen in Kraft. Die Richtlinie legt in Artikel 20 die Rechtsvorschriften für E-Zigaretten und Nachfüllbehälter fest:

  • Der Nikotingehalt darf maximal 20 mg Nikotin pro ml Flüssigkeit betragen.
  • Die E-Zigaretten haben strenge Sicherheits- und Qualitätsanforderungen zu erfüllen.
  • Die Packungen müssen mit Warnhinweisen und vollständigen Inhaltsangaben versehen sein. Werbewirksame Bezeichnungen sind unzulässig.
  • Ferner sind die Hersteller verpflichtet, den Behörden der Mitgliedstaaten jährlich Bericht zu erstatten über Verkaufszahlen, die Gruppenzusammensetzung der Konsumentinnen und Konsumenten und deren Vorlieben und Trends.

Welche Regelungen schlägt die WHO vor?

An der 6. Konferenz der Vertragsparteien der WHO-Rahmenkonvention über die Tabakkontrolle Mitte Oktober 2014 in Moskau waren auch elektronische Zigaretten ein Traktandum (englisch Electronic nicotine delivery systems ENDS beziehungsweise Electronic non-nicotine delivery systems ENNDS). Dazu veröffentlichte die WHO einen Bericht und empfahl vor allem folgende Massnahmen:

  • Gesundheit: Hersteller und Handel dürfen Aussagen zu Tabakentwöhung und gesundheitlicher Verträglichkeit nur machen aufgrund wissenschaftlicher Studien und einer diesbezüglichen Zulassung durch die Behörden. Die bisherigen Studien erlauben keine allgemeine Empfehlung von E-Zigaretten zum Rauchstopp.
  • Schutz: Der Konsum von E-Zigaretten in geschlossenen öffentlichen Räumen ist zu untersagen entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutz vor Passivrauchen gemäss Artikel 8 der WHO-Rahmenkonvention.
  • Werbung: Der Gesetzgeber soll wirksame Einschränkungen erlassen zu Werbung, Promotion und Sponsoring von E-Zigaretten.
  • Interessenkonflikt: Artikel 5.3 der WHO-Rahmenkonvention gilt auch für E-Zigaretten. Bei den gesundheitspolitischen Massnahmen sind die Anliegen von Public Health zu schützen vor dem wachsenden Interesse der Tabakindustrie am Markt der E-Zigaretten.

Aufgrund dieses WHO-Berichts beschlossen die Vertragsparteien, dass die einzelnen Parteien in erster Linie Werbung, Promotion, Sponsoring verbieten oder einschränken sowie die E-Zigaretten mit dem Ziel eines hohen Schutzes der menschlichen Gesundheit gesetzlich regeln sollen.

 

 

Quellen

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Liquids von E-Zigaretten können die Gesundheit beeinträchtigen, Stellungnahme Nr. 016/2012 des BfR vom 24. Februar 2012, ergänzt am 21. Januar 2013 ((Link)) www.bfr.bund.de/de/bfr_stellungnahmen_2012.html.

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.), Elektrische Zigaretten - ein Überblick, Heidelberg 2013 www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/Rote_Reihe_Tabakpraevention_und_Tabakkontrolle.html.

Eidgenössische Kommission für Tabakprävention, Elektronische Zigaretten (E-Zigaretten). Position der Eidg. Kommission für Tabakprävention (Aktualisierung vom September 2016), www.bag.admin.ch/bag/de/home/das-bag/organisation/ausserparlamentarische-kommissionen/eidgenoessische-kommission-fuer-tabakpraevention-ektp/stellungnahmen-und-medienmitteilungen-ektp.html.

Bundesamt für Gesundheit, Tabakproduktegesetz, www.bag.admin.ch/bag/de/home/themen/mensch-gesundheit/sucht/tabak/tabakpolitik-schweiz/entwurf-tabakproduktegesetz.html.

Bundesamt für Gesundheit, Informationsschreiben Nr. 146: Elektrische Zigaretten, elektronische Zigaretten, E-Zigarette, Stand 13.09.2010 ersetzt Versionen vom 12.05.2009 und vom 09.03.2010

Policlinique médicale universitaire (PMU), Consensus d'experts sur la é-cigarette. E-cigarette: libéraliser le marché, oui ... mais sous certaines conditions, communiqué de presse 17.03.2014 www.pmu-lausanne.ch.

Informationen zur neuen Richtlinie über Herstellung, Aufmachung und Verkauf von Tabakerzeugnissen (Richtlinie 2014/40/EU) finden Sie auf der Webseite über Tabak der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher der Europäischen Kommission http://ec.europa.eu/health/tobacco/products/index_de.htm ((Französische Ausgabe: http://ec.europa.eu/health/tobacco/products/index_fr.htm)) unter «Tabakerzeugnisse» ((«Produits du tabac»)).

WHO Framework Convention on Tobacco Control, Electronic nicotine delivery systems. Report by WHO, FCTC/COP/6/10 21 July 2014 http://apps.who.int/gb/fctc/PDF/cop6/FCTC_COP6_10-en.pdf. ((Französische Ausgabe: Convention-cadre de l’OMS pour la lutte antitabac, Inhalateurs électroniques de nicotine. Rapport de l’OMS, FCTC/COP/6/10 21 juillet 2014 http://apps.who.int/gb/fctc/PDF/cop6/FCTC_COP6_10-fr.pdf.))

 

Stand: Juli 2016

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