«Heat-not-burn»: Zu billiger Qualm

Nationalrätin Ruth Humbel (CVP/AG) will vom Bundesrat wissen, wieso die sogenannten «Heat-not-burn»-Zigaretten weiterhin als «rauchlose Produkte» beworben werden dürfen. Denn auch sie produzieren beim Konsumieren nachweislich toxischen Rauch.

Die Produkte mit erhitztem Tabak werden in der Schweiz seit 2015 aktiv und aggressiv als «saubere» Tabakprodukte beworben. Bei den «Heat-not-burn»-Produkten, wie sie die Hersteller nennen, werden Tabakröllchen in einem batteriebetriebenen Gerät erhitzt. Die dadurch entstehende nikotinhaltige chemische Wolke wird inhaliert.

Nationalrätin Ruth Humbel stellt in ihrer Interpellation dem Bundesrat zwei Fragen:

  1. Wieso dürfen «Heat-not-burn»-Zigaretten noch immer als «rauchlos» beworben werden? Diesen Frühling hat eine erste unabhängige Studie zu diesen neuen Produkten gezeigt, dass auch das Verschwelen von Tabak toxischen Rauch produziert. Verfasst wurde die Studie von einem schweizerischen Forscherteam der Universitäten Bern und Lausanne.
  2. Wieso werden die Tabakröllchen für die Halter von der Eidgenössischen Zollverwaltung lediglich mit einer weniger als ein Viertel so hohen Tabaksteuer belegt wie herkömmliche Zigaretten und wieso wird für diese Tabakröllchen keine Abgabe für den Tabakpräventionsfonds bzw. den Fonds für den inländischen Tabakanbau erhoben? Dies ist eine sehr tiefe Besteuerung für ein nikotinhaltiges Tabakprodukt, das geraucht wird.

Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz teilt die Meinung von Nationalrätin Ruth Humbel, dass die Besteuerung dieses Tabakprodukts, welches als Zigarette bezeichnet werden kann, zu tief ist. Ein weiterer bedenklicher Entscheid der Verwaltung ist die Freistellung der «Heat-not-burn»-Produkte von der Abgabe zugunsten der Tabakprävention.

Die «Rauchlos»-Kampagne der Tabakproduktehersteller verfolgt nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz mitunter das Ziel, die «Heat-not-burn»-Zigaretten dem eidgenössischen Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen und den kantonalen Bestimmungen zur Tabakprävention zu entziehen. Das hätte zur Folge, dass diese Tabakprodukte in Innenräumen geraucht werden dürfen.

Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz warnt vor einem solchen Szenario, welches die Erfolge zugunsten einer gesteigerten Lebensqualität ohne Nikotin und Tabak rückgängig machen würde.

Was sind Produkte mit erhitztem Tabak?

Tabakprodukte zum Erhitzen bestehen aus Röllchen mit Tabak. Diese werden in einem Halter mit einem batteriebetriebenen Heizelement erhitzt. Im Vergleich zu beispielsweise E-Zigaretten wird bei diesen Produkten keine Flüssigkeit (Liquids) verdampft, sondern Tabak je nach Produkt auf ca. 250° C bis 350° C erhitzt («heat not burn»). Der dadurch entstehende «Tabakdampf» wird inhaliert. Bei einer herkömmlichen Zigarette verbrennt der Tabak bei etwa 800° C.

Bei Produkten mit erhitztem Tabak handelt es sich um Tabakprodukte. Wie alle Tabakprodukte enthalten sie toxische und krebserregende Inhaltsstoffe sowie Nikotin. Die gesundheitlichen (Langzeit)-Auswirkungen von Produkten mit erhitztem Tabak sind noch weitgehend unbekannt.

Bekannte Modelle in der Schweiz sind «IQOS» und «Glo».

Neu erhältlich, steuertechnisch auch als Produkt mit erhitztem Tabak eingestuft, sind Hybridprodukte: Eine Batterie verdampft eine Flüssigkeit bei ca. 30° C. Der «Dampf» wird durch eine mit Tabak gefüllte Kapsel inhaliert.

Auch bei dieser Art des Tabakkonsums fehlen Studien zu den gesundheitlichen (Langzeit)-Auswirkungen der Inhaltstoffe.

In der Schweiz ist das Modell «Ploom» erhältlich.

 

Auskunft:

Thomas Beutler

wissenschaftlicher Mitarbeiter

031 599 10 25

 

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