Tabakwerbung und Passivrauchschutz: Tabaklobby fordert von Nationalrat radikalen Rückschritt

Die Tabaklobby will, dass der Nationalrat die bereits europaweit schwächsten Massnahmen zu Tabakwerbung, -promotion und -sponsoring zusätzlich reduziert. Ebenso den Passivrauchschutz. Dies steht im Gegensatz zu den Erkenntnissen des Kinderspitals Zürich, dass bereits die Mehrheit der 16 und 17-Jährigen Tabak- und/oder Nikotinprodukte konsumiert.

Ab dem 7. Dezember 2020 debattiert der Nationalrat das Tabakproduktegesetz. Die Tabak- und Nikotinbranche ist bemüht ihr Image als Betrüger abzustreifen und behauptet, man bekenne «sich klar zum Jugendschutz» und wolle mit den neu entwickelten Tabak- und Nikotinprodukten nur Raucherinnen und Raucher ansprechen.

In ihren «Empfehlungen», welche am 26. November 2020 an die Mitglieder von vier der sechs Fraktionen (FDP, GLP, M-CEB, SVP) des Nationalrates versendet wurden, fordert die Tabakindustrie dagegen etwas ganz anderes. Sie will (unter anderem)

  • kein Verbot von Zusatzstoffen welche das Abhängigkeitspotential zusätzlich erhöhen;
  • kein Verbot von Tabakwerbung (inkl. E-Zigaretten) auf Plakaten;
  • keine Einschränkung der Tabakwerbung (inkl. E-Zigaretten) im Internet;
  • keine Einschränkung der Verkaufsförderung von Tabak- und Nikotinprodukten;
  • keine Einschränkung des Sponsorings für Tabak- und Nikotinprodukte;
  • international angewendete Standards verhindern;
  • den Beitritt der Schweiz zur internationalen Rahmenkonvention der Weltgesundheitsorganisation über die Tabakkontrolle (FCTC) verhindern.

Zusätzlich will die Tabakindustrie

  • die bestehenden kantonalen Tabakwerbeeinschränkungen abschaffen;
  • E-Zigaretten und Produkte mit erhitztem Tabak (z.B. IQOS) in den Restaurants zulassen.

Es besteht die Gefahr, dass der Nationalrat nächste Woche diesen Forderungen zustimmen wird, trotz dem Wissen, dass eine 2/3 Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ein allgemeines Tabakwerbeverbot unterstützt.[1]

Tabak- und Nikotinprodukte boomen bei Minderjährigen

Im Oktober hat das Universitäts-Kinderspital Zürich mit der Studie «Luftibus in der Schule» erschütternde Zahlen (Kanton Zürich) präsentiert:

  • Rund 20% der Knaben im Alter von 13 Jahren konsumieren E-Zigaretten;
  • Rund 70 % der Mädchen und rund 60 % der Jungen im Alter von 16 bis 17 Jahren rauchen gelegentlich oder regelmässig Zigaretten oder Shisha, bzw. konsumieren E-Zigaretten.

Besonders erschreckend: Diese Zahlen wurden noch vor dem E-Zigaretten-Boom in der Schweiz ab 2018 erhoben.

Die Schweiz kann sich keine weitere Verzögerung zeitgemässer Gesetze zur Tabak- und Nikotinprävention erlauben.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an

Wolfgang Kweitel

Kommunikationsmanager Politik

079 648 80 82

[1] Die LeeWas GmbH befragte zwischen dem 15. und 30. September 2020 2'012 Personen zu einem potentiellen Werbeverbot für Tabak- und Nikotinprodukte. Die Stichprobe von 2'012 Personen setzt sich zusammen aus 1'339 Teilnehmenden aus der Deutschschweiz, 493 aus der Romandie und 180 aus dem Tessin. Die bereinigten Daten wurden für die Analyse nach demographischen und geographischen Variablen gewichtet.

 

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