Lügt British American Tobacco in seinen Medienmitteilungen?

Der Zigarettenproduzent British American Tobacco (BAT) wirbt mit der Schweizer Armee und der Suchthilfe – ohne deren Wissen oder Einverständnis. Diese Art des Marketings entspricht dem Muster gezielter Fehlinformation, wie sie Zigarettenproduzenten seit den 1950er-Jahren anwenden.

Fall 1: BAT bezeichnet seine Produktion als Teil der Landesversorgung

Unter dem Titel «Soldaten im Sondereinsatz bestellen massenhaft Snus» behauptet BAT frech: «In der Corona-Krise erfüllt British American Tobacco (BAT) Schweiz mit seiner Produktion eine systemrelevante Aufgabe bei der Landesversorgung, wie von offizieller Seite bestätigt wird.» Und: «Wir fühlen uns geehrt und sind erleichtert, dass wir eine solche Einstufung erhalten haben. Es freut uns, dass die Produktion und der Vertrieb unserer Produkte nicht eingeschränkt werden.»

Ergänzt wird der erste Teil der BAT-Medienmitteilung mit Werbung für den BAT-Mundtabak: «Aktuell erreichen BAT Schweiz zahlreiche Anfragen von Schweizer Soldaten, die jetzt im COVID-19-Sondereinsatz sind und nach Tabakprodukten fragen.» Der von BAT beworbene Mundtabak enthält stark krebserregende Stoffe. Der Konsum solcher Produkte kann Bauchspeicheldrüsenkrebs, Mundhöhlenkrebs und Speiseröhrenkrebs verursachen.

Ist BAT systemrelevant?

Die BAT Schweiz in Boncourt ist in der Tat systemrelevant im Sinne der wirtschaftlichen Landesversorgung der Schweiz – aber nicht für Tabak, wie BAT in seiner Mitteilung suggeriert, sondern als Mitglied von Provisiogas, der Pflichtlagerorganisation von Erdgas.

Fakt ist: Die freiwillige Lagerhaltung von Tabak zur Landesversorgung wurde schon vor über einem Jahrzehnt beendet. Der Verkauf von giftigen Tabakprodukten an Rekruten und WK-Soldaten ist weder systemrelevant noch geschieht er in Kooperation mit einer eidgenössischen Behörde.

Am 21. August 2020, weniger als 24 Stunden nachdem erste Erkundigungen über den Wahrheitsgehalt der Medienmitteilung eingeholt wurden, verschwand diese von der Webseite der BAT Schweiz. Sie finden die Originalmitteilung im Anhang dieser Medienmitteilung.

Im Parlament reichte Nationalrat Nick Gugger (EVP/ZH) dazu eine Interpellation mit kritischen Fragen ein (20.4085 «Tabak anstatt Schokolade für unsere Rekruten?»).

Fall 2: Suchthilfe macht unfreiwillig Werbung für Tabakprodukte

Ebenso wird die Suchthilfe Ost und ihr Pilotprojekt mit E-Zigaretten vom Tabakmulti missbraucht. In einer Mitteilung verknüpft BAT das Rauchstopp-Projekt mit Werbung für eigene Tabak- und Nikotinprodukte. Das Projekt bestätige «die eigenen Bemühungen».

Verantwortlich für diese BAT-Öffentlichkeitsarbeit ist die PR- und Lobbyagentur Stöhlker, welche die Interessen von BAT auch im Bundeshaus vertritt.

Die Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz fordert, dass solche irreführenden Werbungen durch die zuständigen Institutionen gestoppt werden.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an

Wolfgang Kweitel

Kommunikationsmanager Politik

031 599 10 20

 

 

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