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«Lass mich nicht fallen!»

Kinder in Boncourt können in Zukunft unbehelligt von Zigarettenrauch spielen. Und in Milvignes liegen hoffentlich bald weniger Stummel in der Natur. Beide Gemeinden haben in diesem Sommer innovative Kampagnen für eine lebenswerte Umwelt lanciert.

Immer mehr Gemeinden engagieren sich im Jugendschutz und schaffen für Kinder und Jugendliche eine Umgebung frei von Rauch und Zigarettenstummeln. Im Sommer haben zwei Gemeinden in der Westschweiz innovative Kampagnen gestartet, die aktuellen Problemen an den Kragen gehen: Boncourt schafft rauchfreie Spielplätze und Milvignes bekämpft das grassierende Littering-Problem.

Wolkenfrei spielen

Im jurassischen Boncourt versprechen seit Juni 2020 blau-weisse Wolken am Boden: «Moments sans Tabac» – Momente ohne Tabak. Eine solche Markierung auf dem Asphalt befindet sich etwa bei einem Spielplatz einer Kinderkrippe, eine andere bei einem Spielplatz in Schulhaus-Nähe. Die Wolken sind Teil des Labels «Commune en santé», dem sich das Dorf anschliessen möchte.

Mit der Schaffung von rauchfreien Spielplätzen ist Boncourt in bester Gesellschaft. Unter anderem seit einer Offensive des Kantons Aargau im Jahr 2017 erhalten solche Projekte in der ganzen Schweiz Rückenwind. Regelmässig entstehen neue rauchfreie Orte für Kinder und Jugendliche. In Boncourt sind diese dennoch aussergewöhnlich: Im Jura-Dorf unterhält der Tabakkonzern British American Tobacco eine Produktionsstätte.

Während also laufend neue Zigaretten das Förderband verlassen, wird auf dem Teer für ein Leben – oder zumindest Momente – ohne Tabak geworben. Für Kinder und Jugendliche ist es essenziell, mit einer rauchfreien Norm aufzuwachsen. Dank den blau-weissen Wolken sind sie nun weniger Passivrauch ausgesetzt. Zudem dürfte die Anzahl Zigarettenstummel, die auf Spielplätzen definitiv nichts verloren haben, in Zukunft abnehmen.

980 Kilo wilder Abfall

Von weggeworfenen Zigarettenstummeln kann Milvignes ein Liedchen singen. Die Gemeinde am Neuenburgersee kämpft seit einiger Zeit mit einem massiven Littering-Problem, das sich vorwiegend am Seeufer manifestiert: An einem Rekordtag wurde am Gewässer einmal 980 Kilogramm wilder Abfall aufgesammelt. Bei zwei von drei weggeworfenen Gegenständen handelt es sich um Zigarettenstummel.

Die Stummel sind nicht nur aus optischen Gründen ein enormes Problem: Bis zu zehn Jahre braucht es, bis sich ein Stummel in der Natur zersetzt. Und in der Zwischenzeit gibt er Hunderte Giftstoffe in die Umwelt ab, die Vögeln, Tieren und Pflanzen schaden. Eine Gefahr sind die Stummel ebenfalls für Kleinkinder, die ihre Funde gerne in den Mund stecken.

Und natürlich muss nicht zuletzt die Gemeinde selbst unzählige Arbeitsstunden für das Aufsammeln aufwenden. All diese Sorgen liessen sich vermeiden, würden die Stummel ordnungsgemäss entsorgt. Um Raucherinnen und Raucher für dieses Verhalten zu sensibilisieren, hat die Gemeinde im Juli 2020 eine Kampagne gegen das Wegwerfen von Zigarettenstummeln lanciert. Drei Orte wurden darin zum Schwerpunkt erklärt: Restaurantterrassen, der öffentlicher Raum und hier insbesondere das Seeufer.

An diesen Orten werben nun Plakate und Aschenbecher für ein ordentliches Entsorgen. Über Restaurants und Kiosks gibt die Gemeinde zusätzlich kostenlose tragbare Aschenbecher ab. Das sind kleine verschliessbare Metalldosen, in denen Raucherinnen und Raucher ihre Stummel bis zum nächsten Abfallbehälter bequem zwischenlagern können.

Die Protagonisten der Kampagne sind die Stummel selbst: «Roméo le Mégot», «Juliette la Cigarette» und «Edgar le Cigar». Als Comic-Helden machen die drei auf ihr Schicksal als weggeworfene Stummel aufmerksam. Etwa, indem sie freundlich darum bitten, zu ihren Freunden gesellt zu werden – also in den Aschenbecher. Die Sujets sind dabei höflich und mit einem Augenzwinkern kreiert, aber in ihrer Botschaft klar verständlich.

Engagement mit Zukunft

Die beiden Kampagnen zeigen, dass immer mehr Gemeinden eine rauchfreie Umgebung als schätzenswertes Gut erkennen und fördern. Auch das Liegenlassen von Zigarettenstummeln wird immer mehr als ein dringliches Problem erkannt und von Gemeinden und Umweltschutzorganisationen angegangen. Mit dem wachsenden Engagement entstehen laufend neue Praxisbeispiele, Anregungen und Ideen – und auch immer mehr Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.

Schlagwörter: Rauchen

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