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Statistik schürt falsche Hoffnungen

Ein Ergebnis der neusten Gesundheitsbefragung wurde vom Bundesamt für Statistik als Top-News präsentiert: Der Rückgang von starken Raucherinnen und Raucher. Die Meldung hat aber einen Haken.

Das Bundesamt für Statistik BFS hat am 18. Februar 2020 einen weiteren Teil der Auswertung der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2017 veröffentlicht. Diesmal zum Tabakkonsum Sie hat interessante und für die Prävention wichtige Ergebnisse hervorgebracht, etwa die Verbindung von Bildung und Rauchen: Während Personen mit höherer Bildung in den letzten Jahren immer weniger rauchen, nimmt der Anteil der Raucherinnen und Raucher ohne nachobligatorische Bildung zu. Und dies obwohl der Preis für Zigaretten merklich gestiegen ist.

Das Bundesamt für Statistik rückt jedoch drei andere Punkte ins Zentrum: die international hohe Prävalenz von 27 Prozent, die leichte Abnahme des Tabakkonsums bei Männern und die gleichzeitig leichte Zunahme bei Frauen sowie die Halbierung des Anteils starker Raucherinnen und Raucher (20 Zigaretten und mehr pro Tag) innerhalb von 25 Jahren.

Unglücklicherweise wurde der letzte der drei Punkte, die Halbierung der starken Raucherinnen und Raucher, als «Aufhänger» der Mitteilung gewählt und entsprechend von den Medien breit übernommen. Die Erkenntnisse der Gesundheitsbefragung sind jedoch ambivalent.

Natürlich ist es positiv, wenn weniger geraucht wird. Aber die Meldung schürt implizit eine falsche Hoffnung: Weniger Rauchen führe zu einer besseren Gesundheit. Tatsächlich nimmt die Schädlichkeit nicht proportional zum Konsum ab. Eine halbe Packung bedeutet deshalb nicht halbes Risiko. Schon ab einer Zigarette pro Tag steigt das Risiko für eine Herzkreislauf- oder Lungenerkrankung sprunghaft an. Jeder zweiten Schweizerin, jedem zweiten Schweizer ist dies nicht bewusst.

Über die Substitution von Zigaretten durch neue Produkte wie (nikotinhaltige) E-Zigaretten und Produkte mit erhitztem Tabak, wie sie vor allem unter jungen Leuten stattfindet, schweigt das BFS in seiner Medienmitteilung (in der Gesundheitsbefragung selber wird zwar eine Prävalenz von 7 Prozent für E-Zigaretten und Tabakprodukte zum Erhitzen ausgewiesen, in der BFS-Publikation fehlt jedoch eine Aufschlüsselung nach Produkt, Alter und Geschlecht). Der Rückgang beim starken Rauchen als Erfolg herauszuheben ist falsch. Zentral ist die zu hohe und über Jahre stabile Prävalenz von 27 Prozent. Dies umso mehr, als sie in der jungen Bevölkerung noch höher ist als in der Gesamtbevölkerung.

Schlagwörter: Rauchen

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