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Jedes 500. Kilogramm CO2 geht aufs Konto der Tabakindustrie

Tabak ist ein ökologisches Problem, das mehr Beachtung verdient. Zu diesem Schluss kommt eine Studie über die Auswirkungen von Tabakanbau und Zigarettenherstellung.

Die verheerenden Folgen des Tabakkonsums auf die menschliche Gesundheit sind bekannt. Jedes Jahr tötet das Rauchen rund 7 Millionen Menschen weltweit. Dass die Produktion der jährlich 6 Billionen Zigaretten auch grosse Auswirkungen auf die Umwelt und die nachhaltige Entwicklung hat, wird jedoch noch wenig beachtet. Ein neuer Bericht hat nun erstmals systematisch diese Effekte untersucht. Der Bericht wurde vom Sekretariat der Rahmenkonvention über die Tabakkontrolle (FCTC) der Weltgesundheitsorganisation WHO in Auftrag gegeben und vom Imperial College London erstellt.

Um die ökologischen Auswirkungen beziffern zu können, haben die Forschenden die gesamte Produktions- und Lieferkette des Tabakanbaus berücksichtigt. Vom Anbau des Tabaks bis zum Konsum einer Zigarette fallen diverse Produktionsschritte an, jeder davon benötigt eine beträchtliche Anzahl an Ressourcen.

Abfälle und Emissionen

Am Anfang stehen die Nutzung von knapper Ackerfläche und von Wasser für den Tabakanbau, die Verwendung giftiger Chemikalien auf den Tabakplantagen und die Verbrennung von Kohle und Holz für den Trocknungsprozess. Pro Jahr werden für den Tabakanbau mindestens 6500 Hektaren Wald gerodet. Das entspricht der Fläche von fast 10 000 Fussballfeldern.

Bei der Weiterverarbeitung des Tabaks zu Zigaretten kommen der hohe Energieverbrauch und die Emissionen aus den Herstellungs- und Vertriebsprozessen zum Tragen. Die Produktion von Zigarettenschachteln und Zigarettenfiltern verursacht grosse Mengen an nicht biologisch abbaubaren und toxischen Abfällen. Hinzu kommt die Luft- und Meeresverschmutzung durch lange Transportwege per Schiff und Lastwagen – von der Plantage zur Fabrik und danach noch einmal von der Fabrik bis in die Verkaufsstellen.

Und auch mit dem Konsum einer Zigarette hört der Schaden nicht auf. Alleine die Zigarettenstummel verursachen 25 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr. Die Stummel, die achtlos weggeworfen werden, belasten die Umwelt weiter. Ein einziger Zigarettenstummel vermag etwa 40 Liter Wasser zu verseuchen. Dazu kommen weltweit unzählige Waldbrände und Buschfeuer, die von glühenden Zigarettenresten herrühren.

Schlechte Ökobilanz

Insgesamt benötigt die Herstellung einer einzelnen Zigarette 3.7 Liter Wasser und 14 Gramm Kohlendioxid (CO2). Die gesamte Tabakindustrie stösst so pro Jahr 84 Millionen Tonnen CO2 aus. Das entspricht dem Ausstoss von ganzen Ländern wie Peru oder Israel. Damit trägt die Tabakindustrie 0.2% zum weltweiten CO2-Ausstoss bei. Im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Produkten ist der Anbau von Tabak sehr ressourcenintensiv. Der Anbau von grünem Tabak (also ohne Trocknung) braucht etwa zwei- bis dreimal mehr Ressourcen als der Anbau von Tomaten oder Kartoffeln. Der Wasserverbrauch ähnelt dem beim Anbau von Reis und ist mehr als achtmal höher als bei Kartoffeln und fünfmal höher als bei Tomaten.

Viel Schaden, keinen Nutzen

Die Verfasser schreiben, dass nur eine drastische Reduktion der Produktion bzw. des Konsums die negativen Effekte der Tabakindustrie auf die Umwelt senken kann. Effizienzverbesserungen vonseiten der Konzerne würden kaum ins Gewicht fallen, insbesondere da die Zahl der Raucherinnen und Raucher weltweit zunimmt. Der grosse Fussabdruck der Zigarettenindustrie, so die Verfassenden weiter, mache das Tabakgeschäft im derzeit betriebenen Ausmass unvereinbar mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung der UNO. Den ökologischen Auswirkungen des Tabaks müsse deshalb mehr Beachtung geschenkt und mit Massnahmen entgegengetreten werden.

Prinzipiell sei Tabak ein geeignetes Produkt, um mit entsprechenden Massnahmen beim Umweltschutz anzusetzen, schreiben die Forschenden. Denn während Tabak viel gesundheitliches Leid und ökologischen Schaden anrichtet, bringe sein Konsum keinen eigentlichen Nutzen.

Quelle: Der Bericht «Cigarette Smoking: An assessment of tobacco’s global environmental footprint» basiert auf einer wissenschaftlichen Studie selben Namens im Journal «Environmental Science and Technology» und kann auf der Webseite der WHO heruntergeladen werden.

Schlagwörter: Tabak

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