Fragwürdige PR von Philip Morris in der Schweiz zu IQOS

Nach einem Entscheid der U.S. Food and Drug Administration (FDA) bewirbt der Zigarettenmulti Philip Morris International (PMI) den IQOS als Produkt mit geringerer Schadstofferzeugung, verschweigt jedoch, dass er ein geringeres Gesundheitsrisiko nicht nachweisen kann. Die Kommunikation von PMI fügt sich damit nahtlos in das bisherige Verhalten der Tabakmultis ein, welche die verheerenden gesundheitlichen Risiken von Tabakprodukten verharmlosen.

Alle Konsumentinnen und Konsumenten des IQOS in der Schweiz haben ein persönliches Werbemail des Tabakmultis erhalten, in welchen manipulativ behauptet wird, dass «wissenschaftliche Studien» gezeigt haben, «dass ein vollständiger Wechsel von herkömmlichen Zigaretten zum IQOS-System die Exposition Ihres Körpers gegenüber schädlichen oder potenziell schädlichen Chemikalien signifikant reduziert.»

Gegenüber der Öffentlichkeit spricht PMI von einem «historischen Meilenstein für die öffentliche Gesundheit» und vom Schutz bzw. der Förderung der «öffentlichen Gesundheit».

Was PMI zum Zulassungsverfahren von IQOS als Tabakprodukt mit Modifiziertem Risiko nicht sagt: Sie konnten den Experten der FDA keine überzeugenden Belege für ein geringeres Gesundheitsrisiko vorlegen. Die FDA hat den IQOS lediglich als Produkt mit geringeren Schadstoffemissionen, als Zigaretten, zugelassen, jedoch nicht als Produkt mit geringerem Gesundheitsrisiko, als Zigaretten.

Marketing für Jugendliche

Nationale amerikanische Präventionsorganisationen wie die American Lung Association, die American Cancer Society oder Tobacco-Free Kids kritisieren geschlossen, dass die FDA PMI trotz fehlenden wissenschaftlichen Beweisen erlaubt, den IQOS als Tabakprodukt mit modifiziertem Risiko (engl. modified risk tobacco product) zu vermarkten.1 Besonders bedenklich ist dies, weil IQOS bereits jetzt auf sämtlichen Plattformen als Lifestyle-Produkt vermarktet wird. Eine Marketingstrategie welche insbesondere auch Jugendliche anspricht (Beispiele für das Marketing finden Sie hier und hier). Das FDA gibt selber zu, dass «unklar» ist, ob das Label «Tabakprodukt mit Modifiziertem Risiko» eine negative Auswirkung auf das Konsumverhalten der Jugendlichen haben wird.

In Frankreich verurteilen die Alliance contre le tabac (ACT) und das Comité national contre le tabagisme (CNCT) die selektive Kommunikation von PMI auf das Schärfste («täuschend und illegal»), ebenso weisen beide darauf hin, dass die Interessen eines Tabakkonzerns mit jenen der Öffentliche Gesundheit, per se unvereinbar sind.2

Bereits Ende 2019 wies die Weltgesundheitsorganisation WHO darauf hin, dass wissenschaftliche Beweise von unabhängiger Seite fehlen, um die Behauptungen der Tabakindustrie bezüglich einem geringeren Gesundheitsrisiko bzw. geringerer Schadstoffemissionen zu stützen. Zudem konzentrieren sich, laut der WHO, die Studien der Tabakmultis nur auf die üblichen Giftstoffe von Tabakrauch. Sie berücksichtigten nicht die Möglichkeit, dass Geräte wie der IQOS auch andere, als im Zigarettenrauch enthaltene Giftstoffe freisetzen können.3

Gesundheitsrisiken bleiben

Schon 2017 hatte ein von PMI unabhängiges Forscherteam um Professor Reto Auer von der Universität Bern festgestellt, dass der IQOS ein Gerät ist, welches durch verkohlen (Pyrolyse) dieselben hochgiftigen Stoffe freisetzt wie die normale Zigarette.4 Stoffe die erwiesenermassen krebserregend und sonstig gesundheitsgefährdend sind, wie auch die FDA nochmals in ihrer Zulassung deutlich betont.

Hintergrund: Schadstoffe vs. Gesundheitsrisiken

Das Produkt mit erhitztem Tabak «IQOS», des Tabakkonzerns Philip Morris International (PMI) ist seit Juli 2020 von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) auf vier Jahre befristet als Tabakprodukt mit Modifiziertem Risiko (engl. modified risk tobacco product, MRTP) zugelassen: Dem Produkt wird von der FDA, im Vergleich zu Zigaretten, eine geringere Schadstofferzeugung bestätigt, jedoch kein geringeres Gesundheitsrisiko.5

Die FDA sieht zwei Möglichkeiten für eine Zulassung vor: Entweder als Produkt mit lediglich einer geringeren Schadstofferzeugung (engl. exposure modification) im Vergleich zu Zigaretten, was keine Rückschlüsse auf die tatsächlichen Gesundheitsrisiken zulässt, oder als Produkt mit einem geringeren Gesundheitsrisiko (im Vergleich zu Zigaretten) für die Konsumierenden (engl. risk modification).

Die FDA will zudem genau beobachten, wie IQOS von den Konsumentinnen und Konsumenten genutzt werden wird und welche gesundheitlichen Schäden auftreten werden. Zudem darf die Vermarktung nicht zu einem Konsum durch Jugendliche führen. In spätestens vier Jahren wird die FDA deshalb erneut darüber entscheiden, ob der IQOS weiterhin vermarktet werden darf.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an

Wolfgang Kweitel

Kommunikationsmanager Politik

031 599 10 20

 

 

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